Boreal ist eines dieser Spiele, die gerne unter dem Radar fliegen. Klein, kompakt, ein reines Duellspiel, ein paar Karten, ein kleines Board zwischen den beiden Parteien. Fertig. Ein kleines Kartenspiel eben. Und doch gibt es so einige kleine Duell-Kartenspiele, die durchaus für Furore gesorgt haben. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt 7 Wonders Duell (das man nicht mehr wirklich "klein" nennen kann), sondern eher sowas wie Riftforce oder auch Radlands. Boreal erfuhr diesen Hype nicht, obwohl es den genannten Spielen in optischer Hinsicht in nichts nachsteht. Nicht umsonst ist es das erste Spiel, bei dem ich die Innenseite der Verpackung fotografiert habe. Kann der fehlende Hype also andere Ursachen haben, oder ist es einfach nur Zufall?
Packen wir also das Spiel mal aus und bauen es auf: In die Tischmitte legen wir eine Zahlenleiste mit Platz für acht Karten. Diese Leiste hat auf jeder Seite Zahlen von 1 bis 8 in jeweils entgegengesetzter Richtung aufgebracht. Diese Zahlen stellen unsere verfügbaren Entdeckungspunkte dar. Beide Seiten bekommen einen Marker und legen diesen unterhalb der 5 an. Nun legen wir von den 12 Startkarten 8 Stück auf diese Leiste, mischen die 8 Archivkarten (was diese können, dazu gleich mehr) und ziehen davon 3, die wir wiederum in den eigentlich Kartenstapel einmischen. Schon geht es los:
Wir spielen abwechselnd und ein Zug hat immer zwei Phasen. In der Entdeckungsphase darf ich eine Karte entdecken oder reservieren. Entdecken bedeutet, ich kaufe eine Karte aus der Auslage. Diese Karte muss verfügbar sein (d.h. sich über oder links von meinem Entdeckungsmarker befinden) und ich muss sie mir leisten können (d.h. ich muss die auf der Karte aufgedruckten Kosten an Entdeckungspunkten abgeben - also meinen Marker nach links ziehen). Diese Karte lege ich nun vor mir aus. Alle entdeckten Karten müssen dabei eine Pyramide bilden, deren Sockel 4 Karten beinhaltet. Höhere Stockwerke darf ich nur auf zwei in der unteren Ebene vorhandene Karten bauen. Manche Karten triggern dazu noch Spezialeffekte beim Entdecken.
Reserviere ich eine Karte, ist es egal, wo sich die Karte in der Auslage befindet oder ob ich sie mir leisten kann. Ich nehme mir sie einfach und lege sie neben meine Pyramide. Diese Karten darf ich später entdecken und muss dann lediglich die Kosten zahlen. Wichtig ist bei beiden Möglichkeiten aber, dass ich insgesamt nur eine einzige Archivkarte vor mir liegen haben darf. Diese Archivkarten sind einfach besonders "starke" Karten, die sich ansonsten nicht von den anderen unterscheiden.
Anschließend folgt die Einkommensphase: Meine Entdeckungspunkte werden auf 2 aufgestockt (sofern ich unter 2 bin). Außerdem bringt mir jede Karte in meiner Pyramide, auf der keine andere Karte "steht", Entdeckungspunkte gemäß ihrem Aufdruck.
Sobald eine Seite ihre Pyramide vollendet (also die 10. Karte entdeckt) hat, wird die Runde zu Ende gespielt und anschließend gewertet. Und da steckt dann der eigentliche Clou des Spiels: Jede Karte in einer Pyramide bringt Siegpunkte für unterschiedliche Dinge. Manche liefern einfach so Siegpunkte, andere bringen Punkte für umliegende Karten, wieder andere für Karten einer bestimmten Art in der eigenen Pyramide, usw. Es gewinnt, wer die meisten Punkte hat.
Wird Boreal also dem Nicht-Hype gerecht? Ich würde sagen, dass das ganz stark Geschmackssache ist. Denn Riftforce und Radlands und auch 7 Wonders Duell sind eben "echte" Duellspiele. Hier will man sich stören, ärgern, nerven, schlicht miteinander interagieren. Bei Boreal will man eben entdecken. Die einzig echte Interaktion besteht dementsprechend darin, sich mal eine Karte vor der Nase wegzuschnappen oder durch eine Spezialaktion seinem Gegenüber mal ein paar Entdeckungspunkte wegzunehmen. Und so ist Boreal gar kein Duellspiel, sondern ein Puzzlespiel. Je höher ich komme, desto geringer wird mein Einkommen. Gleichzeitig muss ich immer auf dem Schirm haben, wofür es in meiner Pyramide schon Punkte gibt und wofür ich noch gerne Punkte hätte. Noch dazu ist es ein wirklich hübsch gestaltetes Puzzlespiel im kleinen Format. Ich mag es irgendwie, denn es ist durchaus eine schöne Puzzleaufgabe. Aber hypen würde ich es eben auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Denn nach ein paar (wirklich netten) Partien, reicht es dann doch mit dem Pyramidenbau und ich sehnte mich auch (noch) nicht (mehr) nach Boreal zurück.
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